Sa, 10.10., 19:00 Uhr, Nachfolge-Christi-Kirche

Man sollte es nicht glauben: Duke Ellington hat tatsächlich auch Musik für die Kirche geschrieben: Das „Sacred Concert“ für Jazz-Solo-Sängerin, Chor und Big-Band lässt die Kirche swingen und stammt aus einer Zeit, als die ersten „Neuen geistlichen Lieder“ entstanden sind. Gleichzeitig etablierte sich der Jazz als Musiksprache auch für religiöse Themen, „A Love supreme“ von John Coltrane entstand ebenfalls Mitte der 60er Jahre.

Für Duke Ellington (der einen Ehrendoktor der Universität Bonn hatte) war es sogar „The most important thing I’ve ever done” – die letzten Jahre seines Lebens tourte er mit insgesamt drei „Sacred Concerts“ durch die Welt und band lokale Chöre mit ein – so wurde jedes „Sacred Concert“ auch zu einem Fest für die Gemeinde.

Es singen, spielen und tanzen:

Schäl Sick Big Band (Leitung: Michael Kuhl)

Chor „Haste Töne“ (Leitung: Hubert Arnold)

Christine Handke (Sopran)

Daniel Luka (Stepptanz für „David danced before the Lord”)

Eintritt 20€, ermäßigt 10€, Tickets 10% günstiger beim Kauf über die eventfrog-App!

https://eventfrog.de/ellington

Duke Ellington, 1899 in Washington geboren, war Pianist, Bandleader und einer der großen Klangarchitekten des 20. Jahrhunderts. Sein Orchester war für ihn nicht einfach eine Band, sondern ein Farbkasten: Trompeten konnten knurren, Saxophone seufzen, Posaunen predigen, und das Klavier kommentierte alles mit trockenem Charme.

Als Duke Ellington 1964 gebeten wurde, ein geistliches Konzert für das Kulturprogramm anlässlich der Einweihung der Grace Cathedral in San Francisco zu schreiben, standen die religiösen Themen schon längst bereit. „Come Sunday“ – ein Song wie ein Gebet ohne Kirchenmief – und „New World A-comin“ hatte er schon 1943 geschrieben. Ansonsten hatte er sich mit religiöser Musik eher zurückgehalten. Dieser Kompositionsauftrag brachte die entscheidende Wende: Ellingtons Glaube tritt aus dem Nebenraum auf die große Bühne, er schreibt sein erstes „Sacred Concert“, das im September 1965 uraufgeführt wurde. Nur wenig früher hatte John Coltrane sein „A Love supreme“ veröffentlicht – es war die Zeit, als das Interesse an „Sacred Jazz“ entstand: Jazz wurde nicht mehr nur als Clubmusik verstanden, sondern auch als ernsthafte religiöse Ausdrucksform, zur Sprache des Gebets, der Freiheit und der Würde – gerade Afroamerikaner hatten diese Themen besonders auf dem Schirm.

Übrigens waren die 60er Jahre genau die Zeit, in der bei uns die ersten neuen geistlichen Lieder entstanden.

Das Sacred Concert war ein derartiger Erfolg, dass Ellington in den Jahren danach noch zwei weitere Sacred Concerts schrieb, die in namhaften Kirchen uraufgeführt wurden. Dabei sind die Sacred Concerts keine festgelegten Gesamtwerke wie eine Symphonie von Beethoven. Für jede Aufführung/Tournee wurde eine neue Auswahl an Stücken getroffen, so dass es auch keine Gesamtpartitur gab. Händel hat es mit seinem Messias nicht anders gemacht: Je nach „Personal“ wurde aus einer Alt-Arie auch mal eine Bass-Arie, es wurden Stücke hinzugefügt oder weggelassen. Selbst von Bachs Johannespassion gibt es verschiedene Fassungen.

Als der dänische Komponist und Chorleiter John Høybye 1993 einen internationalen Workshop zu den Sacred Concerts leiten sollte, machte er aus der Not, keine Partitur zu haben, eine Tugend: Er entwarf eine Setlist aus 10 Stücken aller drei Sacred Concerts und arrangierte diese Stücke zusammen mit Peder Pedersen neu. Der Chorpart war bei Ellington meist einstimmig und hatte eine eher untergeordnete Rolle. So konnte Ellington bei seinen Tourneen immer mit lokalen Chören zusammenarbeiten, sozusagen die „Gemeinde“ einbinden, und das bedeutete natürlich: Es stand nur wenig Probenzeit zur Verfügung. Die Version von Høybye gibt dem Chor eine wichtigere Rolle und stellt ihn mindestens gleichberechtigt neben die BigBand.

Ellington selbst nahm diese Musik offenbar sehr persönlich. Vor der Premiere sagte er sinngemäß, dies sei das Wichtigste, was er je getan habe, und: Jetzt könne er der Welt laut sagen, was er bisher im Gebet für sich gesagt habe. Diese Formulierung ist ziemlich aufschlussreich: Das Sacred Concert war für ihn nicht einfach „Jazz in der Kirche“, sondern eine Art öffentliches Glaubensbekenntnis mit den Mitteln, die er am besten beherrschte: Big Band, Stimmen, Rhythmus, Blues, Spiritual, Show und Eleganz. 

Wichtig ist auch: Ellington wollte ausdrücklich keine Messe komponieren. Er dachte nicht in kirchlichen Schubladen, sondern in großen musikalischen Bildern. Seine Sacred Concerts verbinden Chor mit Big Band, Solostimmen mit Tanz, Konzertsaal mit Gottesdienstnähe. Der berühmte Steptanz in „David Danced Before the Lord“ ist dafür ein herrliches Zeichen: Lob Gottes nicht nur mit Orgelpfeifen und Choralbuch, sondern auch mit Schuhsohlen.

Sacred Concert