Zwischen Blumen und Gemüse – der Engel auf dem Markt

Sie hasteten über den Markt auf dem Rathausplatz. Viele trugen Einkaufskörbe voller Gemüse und Blumen.

Da drängte sich eine Person durch die Menge und stieg auf einen Stapel Paletten neben Arnos Blumenstand. Neugierig schauten die Menschen zu ihr. Was hatte sie vor?

Die Frau winkte und legte den Zeigefinger vor die Lippen. Die Gespräche verstummten, und es wurde still.

„Habt keine Angst“, rief die Frau. „Ihr könnt Euer Gemüse in Ruhe kochen und essen, ihr werdet Blumen verschenken und einander Frieden wünschen. Heute ist ein Festtag. Denkt daran, Jesus wurde geboren, das Kind in der Krippe.“ Sie blickte in staunende, überraschte Gesichter. „Ein Kind braucht Liebe und das Lächeln der Erwachsenen, euer Lächeln. Ein Kind braucht Leute, die ihm zuhören. Denkt daran, es ist gekommen, um Gottes Frieden auf der Erde zu verbreiten. Helft ihm dabei!“

Sie kramte in ihrer Tasche und holte einen Zettel heraus. „Singt mit mir ein Weihnachtslied!“ Die Frau stimmte das Lied an, ein altes Lied. Verstohlen wechselten einige Frauen und Männer Blicke. Das kannten sie. Dann trauten sie sich, leise mitzusingen. Andere stimmten ein. Schließlich sangen alle zusammen. Der Platz war erfüllt vom Gesang. Als das Lied verklungen war, war die Frau in der Menge verschwunden.

Eine Frau lächelte ihr Gegenüber an. Ein Lächeln kam zurück.Spontan tauschten die beiden ihre Blumen.

„Und was kochen Sie heute abend?“ fragte ein Mann und zeigte auf die Äpfel und Kartoffeln im Korb seines Nachbarn. „Na, Himmel und Äd natürlich! Wollen Sie vorbeikommen und mitessen? Reicht für zwei.“

Heike Lipski-Melchior

Zwischen Blumen und Gemüse – Der Engel auf dem Markt